21 Tage Texter-Tipps: #5 – Fesselnde Überschriften2019-02-12T01:16:19+02:00

Tipp 5

So schreibst du eine fesselnde Überschrift

Auf welche Überschrift würdest du klicken?

  1. Netflix: Das sind die wirklich besten Netflix-Serien! (gefunden bei www.tvmovie.de)
  2. Blockchain in der Energiewirtschaft: Konzept kWh-Coin (mit Solidity-Quelltext des Smart Contracts) (gefunden auf www.youtube.de)

Ganz besonders dann, wenn es um den Content von Blogs und Websites geht, entscheiden Sekunden über die Frage, ob ein Artikel gelesen wird.  Kurz gesagt: Rund 60 Zeichen Headline bestimmen darüber, ob ein Text mit hunderten bis tausenden Wörtern und umfassend recherchierten Informationen gelesen wird.

Was macht eine gute Überschrift aus?

Ich habe keine Zeit für lange Überlegungen

User im Internet lesen die Texte zunächst nicht. Stattdessen scannen sie die Seite. Sie überfliegen den Inhalt, um zu entscheiden, ob sie bleiben oder weiterklicken. Acht bis fünfzehn Sekunden dauert dies im Schnitt. Eine Überschrift ist daher nur dann interessant, wenn der Leser sofort weiß, was der folgende Text ihm mitteilen wird. Er nimmt sich die Zeit, sich mit dem Artikel zu befassen, wenn die Überschrift konkret ist.

Die beiden vorgestellten Headlines sind konkret. Die Headline muss aber auch sofort verständlich sein. Kannst du dir unter dem Konzept kWh-Coin mit Solidity Quelltext … etwas vorstellen? Machst du dir die Mühe, länger darüber nachzudenken? Glaubst du, dass dich der Beitrag interessieren könnte? Ich vermute, dass das auf die Wenigsten zutreffen wird. In der ersten Überschrift weiß man hingegen sofort, dass es sich um Netflix handelt, dass es um Serien geht, und dass mir der Artikel Nutzen stiften kann: Wenn ich die besten Serien kenne, verschwende ich meine Zeit nicht mit Enttäuschungen.

Ich brauche nur so viel Information wie nötig

Ein anderes Beispiel:

  1. Netflix rät Abonnenten von Bild-Verschlimmbesserern und Zwischenbildberechnung ab (gefunden auf www.stadt-bremerhaven.de) und
  2. Netflix und Co: Streamingtipps für die Weihnachtstage (gefunden auf stuttgarter-zeitung.de)

Welche Anzeige lädt zum Weiterlesen ein? Ich habe nach der ersten Überschrift gesagt: Aha. Prima. Danke für die Info. Dann lasse ich doch besser die Finger von einer Zwischenbildberechnung. Mehr brauche ich gerade nicht zu wissen. Bei der zweiten Headline dachte ich hingegen: Na die Tipps schaue ich mir doch mal an. Vielleicht ist ja für mich etwas dabei. Doch um diese Tipps zu lesen, muss ich mich mit dem Artikel befassen. Klick!

Kurz gesagt: Die erste Überschrift hat mich nicht im Geringsten neugierig auf den Artikel gemacht. Denn ich hatte nach dem Lesen der Headline schon die Information, die ich brauchte. Die zweite Überschrift hat mir zwar verraten, dass der Text für mich nützlich sein kann. Mehr aber auch nicht.

Die zweite Headline hatte darüber hinaus eine wichtige Information für mich bereit: Gehöre ich zu denen, die über die Weihnachtstage alleine sind, sich langweilen oder einen gemütlichen Nachmittag mit der Familie auf dem Sofa verbringen wollen? Dann könnte der Inhalt des Artikels für mich relevant sein. Mit Blockchains in der Energiewirtschaft haben vermutlich nur einige Fachleute zu tun. Es werden sich sehr wenige Menschen angesprochen fühlen.

Storytelling beginnt schon mit der Überschrift

Und noch ein Beispiel:

  1. Grenzöffnung für Flüchtlinge: Was geschah wirklich? (gefunden auf zeitonline.de)
  2. Am Sonntag gehen wir Möbel gucken. (gefunden auf livinginowl.de)

Die erste Schlagzeile spricht mich auf der ganzen Linie an, denn sie:

  • ist konkret: Es handelt sich um eine Hintergrundinfo über die Grenzöffnung.
  • ist sofort verständlich.
  • stiftet mir einen Nutzen: Nach dem Lesen bin ich ein wenig klüger.
  • verrät mir nur das Nötigste
  • macht mich neugierig: Es geschah in Wahrheit etwas anderes, als ich dachte.
  • teilt mir etwas Neues mit
  • wird mir eine Geschichte erzählen. Und wie ihr schon wisst, oder in meinem Artikel „Sind wir zu alt für Storytelling“ nachlesen könnt: Geschichten sprechen uns emotional an. Es macht auch uns Erwachsenen immer noch Spaß, sie zu lesen.

Meine spontane Reaktion auf die zweite Überschrift dagegen: Aha. Und?

Ich habe keine Ahnung, worum es geht. Sie verspricht auch keinen Nutzen für mich. Sie teilt mir vielleicht etwas Neues mit, aber nichts, das für mich relevant wäre. Sie verspricht keine Informationen, die über das Gesagte hinausgehen. Und eine Geschichte erwarte ich schon gar nicht.

Vom Aufbau fesselnder Überschriften

Schauen wir wieder auf den Artikel zur Grenzöffnung: Er hat eine Dachüberschrift (Grenzöffnung für Flüchtlinge), die mir sagt, um welches Thema es sich handelt. Ich kann jetzt schon sagen: Ja, wow, dafür interessiere ich mich. In der Headline erfahre ich, dass es sich um eine Geschichte handeln wird, die mir Neues verraten wird. Mehr noch: Sie wird etwas korrigieren, was ich für wahr gehalten habe. Die zweite Headline hat keine Dachüberschrift, die mir helfen würde, den Kontext zu verstehen. Ich weiß nicht, ob es sich um die neuesten Gartenmöbeltrends oder ein Familiendrama handelt. Und schon sortiere ich sie aus.

Noch etwas erzeugt meine Aufmerksamkeit in Überschrift 1: Das Wort „wirklich“. Das Wort sagt mir sofort, dass es etwas gibt, das ich nicht weiß. Dass ich einem Irrtum aufgesessen bin, den ich jetzt korrigieren kann. „Wirklich“ ist ein Reizwort, das den Artikel spannend macht. In der zweiten Überschrift lässt sich kein Reizwort finden.

Eine Übersicht 90 starker Worte, die unsere Aufmerksamkeit wecken, findest du in meinem Downloadbereich.

Die beste Formulierung für deine Überschrift

Vergleiche noch einmal „Das sind die wirklich besten Netflix-Serien!“ mit „Konzept kWh-Coin (mit Solidity-Quelltext des Smart Contracts)“. Du wirst sehen:

  • Headlines lesen sich wesentlich besser, wenn sie ein starkes Verb beinhalten.
  • Es macht auch Sinn, sie einmal laut auszusprechen, denn wenn sie ohne zu Stocken ausgesprochen werden können, sind sie auch für den Leser attraktiv.
  • Aktive Sprache ist besser als passive Sprache.
  • Die Gegenwartsform ist attraktiver als die Vergangenheitsform.
  • Die Headline muss bereits auf die Essenz, den Kerninhalt des Artikels hinweisen.

Mit dem Küchenzuruf-Test kann man einmal ausprobieren, ober die Headline funktioniert:

  1. „Das sind die wirklich besten Netflix-Serien! Ich erzähle dir später davon, Schatz.“
  2. „Konzept der kWh-Coin. Ich erzähle dir später…“

Todsünden in Headlines

Hier führe ich ein paar Dinge auf, die man unterlassen sollte, wenn man den Leser nicht abschrecken will. Vieles wirst du in den oben genannten Überschriften wiederfinden:

  • Anglizismen, französisch- oder spanischsprachige Wörter, sofern sie nicht allgemein bekannte Dinge beschreiben, oder Dinge, für die es keine geläufige deutsche Entsprechung gibt. („Boom“, „Roquefort“, „Flamenco“)
  • Substantivierungen
  • Akbkürzungen

Auch Ironie kann nach hinten losgehen. Man schaue sich nur einmal an, wie viele entrüstete Kommentare die Satireseite „Der Postillion“ täglich erhält. Denn nicht jeder Leser versteht, dass eine Aussage nicht ernst gemeint ist. Dass man keine Überschrift schreiben sollte, die den Betrachter in irgendeiner Form beleidigt, versteht sich von selbst. (Ja, ich habe schon einmal so etwas gelesen. Es handelte sich um eine Werbe-Email. Provokationen solltest du also immer vorsichtig dosieren!)

Noch kurz etwas zu Google

Wer Online-Texte schreibt, möchte in der Regel auch von den Usern gefunden werden. An der Suchmaschinen-Optimierung kommt daher kaum jemand vorbei. Eine der grundlegenden SEO-Regeln fordert, dass das wichtigste Keywort des Textes in der Hauptüberschrift enthalten ist. In diesem Artikel ist es das Wort „Überschrift“. Das freut nicht nur Google, sondern auch den Leser. Denn auch er weiß sofort, worum es geht.

Morgen erzähle ich dir etwas über das E-Mail-Marketing. Meine Newsletterabonnenten können ab heute auf 90 starke Wörter für fesselnde Headlines im Downloadbereich zugreifen.

YouTube aktivieren?

Auf dieser Seite gibt es mind. ein YouTube Video. Cookies für diese Website wurden abgelehnt. Dadurch können keine YouTube Videos mehr angezeigt werden, weil YouTube ohne Cookies und Tracking Mechanismen nicht funktioniert. Willst du YouTube dennoch freischalten?